„Wenn es nur so einfach wäre“ Trauerphasen und Skript / Biographie

Folgt man der klassischen Trauerforschung, so lässt sich die Trauer in verschiedenen Phasen unterteilen. Nimmt somit bei allen das Gleiche seinen Lauf, bei dem einen kürzer, bei dem anderen länger? Bedeutet „Trauerbegleitung“, den Menschen zu helfen, in die nächste Phase zu kommen, damit am Ende alles gut wird und man „zurück ins Leben“ findet?

Ich bin der Überzeugung, dass das alles so sein kann, aber nicht so sein muss. Viele Menschen können ihre Trauer bis an ihr eigenes Lebensende nicht überwinden. Konkrete „Trauerbegleitung“ kann deshalb nicht anhand abstrakter Modelle funktionieren, genauso wenig wie Sterbebegleitung.

Zum einen gibt es Menschen, die durch den Tod traumatisiert werden. Das passiert häufig, wenn Kinder sterben, bei Unglücksfällen, bei Verbrechen und Suiziden. Was aber passiert, wenn der Sohn oder die Tochter mit dem Tod der uralten und todkranken Mutter nicht fertig wird? Kann man beim Trauern von „normalem“ Trauern reden?

Trauer ist mehr als das, was man in Trauerphasen ausdrücken kann. Trauer definiert sich durch das Leben, das man gemeinsam mit dem verstorbenen Menschen gelebt hat, wie es verlaufen ist und wie es sein Ende gefunden hat. Trauerbegleitung kann nur mit einer eingehenden Analyse der eigenen Lebensgeschichte einhergehen. Die Prägungen, die wir durch die Verstorbenen haben, wirken über ihren Tod hinaus, positiv wie negativ. Bei negativem Wirken kann Trauer scheitern. Oftmals liegt es daran, dass es vielen Menschen nicht gelingt, ihre Trauer mit dem eigenen Skript und seinen Mustern in Verbindung zu bringen.

Das Zusammenspiel von Trauerhilfe und die Reflexion über die lebensgeschichtlichen Prägungen  können vielfach dazu führen, dass Frustrationen in der alltäglichen Trauerpraxis abgebaut werden können. Denn dadurch können Menschen erkennen, warum sie so trauern, wie sie trauern. Sie gelangen so auf „ihre Weise“ auf den Weg zum „zurück ins Leben“ – dem klassischen Ende der Trauerphasen.

Hier sollte die Beantwortung folgender Fragen erarbeitet werden:

  • Was hindert Menschen konkret daran, „normal“ zu trauern? Oder überhaupt zu trauern?
  • Wie lassen sich solche Hindernisse in Skriptmustern bestimmen und benennen?
  • Welche Hilfe lässt sich anbieten, damit diese Erkenntnis in die konkrete Trauer einfließt?

Ziel ist es:

  • Eigene Erfahrungen von gelungener oder weniger gelungener Trauer vor dem Hintergrund der eigenen Lebensgeschichte und ihrer Prägungen zu benennen.
  • Bezüge herzustellen zwischen Trauer und Skript.
  • Gemeinsam Hilfen bei Problemen erarbeiten.
 

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